Möve Bikes insolvent – Investorensuche läuft auf Hochtouren

26.02.2021
Möve Bikes Logo.

Nachdem der Sangerhausener Fahrrad-Massenproduzent Sachsenring Bike Manufaktur GmbH (vormals Mifa) im November 2020 Insolvenz anmelden musste und am 12. Februar letztendlich an eine Investorengruppe um SFM Bikes Distribution GmbH und deren eigens für die Übernahme neu gegründete Zweirad Union E-Mobility GmbH veräußert wurde, ist nun auch bekannt geworden, dass es einen weiteren Bikeanbieter in Thüringen erwischt hat. Bereits am 5. Februar musste die kleine feine Bikemanufaktur Möve Bikes GmbH mit Sitz in Mühlhausen Insolvenz anmelden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Marcello Di Stefano von der Erfurter Kanzlei Diligens Rechtsanwälte & Insolvenzverwalter GbR bestellt.

Wichtig zu wissen: die Geschäfte laufen derzeit vollumfänglich weiter, die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über eine Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes abgesichert - und die Investorensuche läuft laut Informationen des vorläufigen Insolvenzverwalters auf Hochtouren. Darüber hinaus konnte eine Weiterbelieferungs-Vereinbarung mit dem (allerdings nicht näher benannten) Hauptlieferanten getroffen werden. »Durch diese wird sicherstellt, dass die vorhandenen Aufträge der Kunden zeitnah abgearbeitet und sogar die geleisteten Kunden-Vorauszahlungen nicht verloren sind, sondern den betroffenen Kunden angerechnet werden«, heißt es aus Erfurt.
So werden auch weiterhin Neubestellungen ganz normal entgegengenommen. Das gilt auch für das beliebte »Try & Buy«-Konzept, welches dem Kunden eine intensive Probephase vor der Kaufentscheidung ermöglicht. Alle bereits bestellten und auch alle neu georderten Fahrräder würden ordnungsgemäß ausgeliefert.
Anmerkung des RadMarkts: mit dem »Try & Buy«-Konzept hatte Möve Bikes im letzten Jahr ein digitales Affiliate-Partner-Programm für den stationären Fachhandel mit Probefahrt-Service und Dropshipping-Geschäft aufgelegt.
Hürde Bankschulden
Was hat nun genau in Zeiten des Fahrrad-Booms zur Schieflage von Direktanbieter Möve Bikes geführt? Laut Möve Bikes-Gründer und -Geschäftsführer Tobias Spröte sind es »die Bankschulden, die in den letzten Jahren aufgrund der hohen Kosten für den Markteinstieg und das Rebranding der Traditionsmarke aufgelaufen sind« - und im normalen Geschäftsbetrieb nicht mehr zurückgezahlt werden könnten.
Markenname mit Fahrrad-Geschichte
Bei Möve Bikes handelt es sich um einen alten ehrwürdigen deutschen Markennamen, der heute - seit seiner Auferstehung unter der Ägide von Tobias Spröte, der 2011 die Markenrechte erwarb – mit einem unverwechselbaren Produkt namens »Cyfly« auf sich aufmerksam macht.
Dabei handelt es sich um einen vom Möve Bikes-Team entwickelten rein mechanischen Antrieb, der die Effizienz der Tretbewegung steigert - und dadurch leichteres Radfahren ermöglichen soll.
Im November 2014 wurde nach einem knappen Jahr Investorensuche die Möve Bikes GmbH mit dem Ziel gegründet, die traditionelle Marke mit dem Alleinstellungs-Merkmal »Cyfly« zum Leben zu erwecken. 2017 startete die Serienproduktion mit neuem Cyfly-Antrieb. 2019 stellte Möve Bikes das allererste E-Bike mit einem »Cyfly«-Antrieb vor.
Investorensuche
Momentan arbeitet der vorläufige Insolvenzverwalter intensiv an einer nachhaltigen Sanierungslösung für Möve Bikes. »Wir haben einen strukturierten Prozess eingeleitet, über den wir beabsichtigen, einen geeigneten Investor zu finden. Ich bin hier optimistisch, weil die sehr hochwertigen Fahrräder von Möve-Bikes über gute internationale Marktchancen verfügen und der patentrechtlich geschützte ‚Cyfly‘-Antrieb, ebenso wie der Traditionsname Möve und die hoch qualifizierten Mitarbeiter, für einen Investor von großem Interesse sein können«, erklärt der vorläufig verantwortliche Fachanwalt für Insolvenzrecht Marcello Di Stefano.

Text: Jo Beckendorff, Foto: Möve Bikes

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