FESI: Unterstützungs-Appell an EU und Mitgliedsstaaten

25.03.2020
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Das grassierende Corona-Virus hat nicht nur mit der Schließung von Fachhandelsgeschäften und der Absage diverser Messen und Events außerordentliche negative Auswirkungen auf die Fahrrad-, sondern auch auf die ihr nahe stehende Sportbranche (die hier und dort auch Fahrradprodukte verkauft). In diesem Zusammenhang fordert der Verband der Europäischen Sportartikelindustrie (FESI) die EU und ihre Mitgliedstaaten im Namen seiner Mitglieder auf, die europäische Sportartikelindustrie in diesen schwierigen Zeiten unbürokratisch und schnell zu unterstützen.

Hier der (übersetzte) Wortlaut der von FESI veröffentlichten Erklärung (Datum: 23. März): »Inmitten der außerordentlichen Gesundheits- und Wirtschaftskrise, die durch die Verbreitung von Covid-19 verursacht wurde, fordert die FESI die EU und die Mitgliedstaaten auf, die europäische Sportartikelindustrie schnell und mutig zu unterstützen. Die Sportartikelindustrie, die fast 700.000 Menschen in Europa beschäftigt, gehört zu den Wirtschaftszweigen, die von der aktuellen Krise stark betroffen sind. Bereits 80 Prozent der Unternehmen des französischen Sektors haben einen Umsatzrückgang von fast 14 Prozent verzeichnet (siehe hier). Neben den alarmierenden direkten Auswirkungen auf den Umsatz gibt es auch große Schwierigkeiten bei der Prognose von Angebot, Cashflow, Miete und Kurzarbeit der Beschäftigten in diesem Sektor. Die KMUs (Anmerkung des RadMarkts: steht für »kleine und mittlere Unternehmen«), die fast 75 Prozent unserer Mitglieder ausmachen, gehören zu den am stärksten betroffenen.
Daher fordert die FESI die EU und die Mitgliedstaaten auf, Unternehmen – und hier insbesondere besagte KMUs -, die mit schwerwiegenden Herausforderungen und Liquiditätsengpässen konfrontiert sind, Liquiditätshilfe zu gewähren und Maßnahmen wie Steuer- und Zollstundungen, Mietaufschub und -erleichterungen, öffentliche Garantien zur Unterstützung von Unternehmen bei der Kreditaufnahme, Exportgarantien und den Verzicht auf Verzugsstrafen bei öffentlichen Aufträgen umzusetzen.
Nachdrücklich begrüßt FESI die jüngsten wirtschaftspolitischen Reaktionen der EU-Institutionen. Die von der Europäischen Kommission vorgeschlagene sogenannte "Coronavirus Response Investment Initiative" wird den Mitgliedsstaaten 37 Milliarden Euro an Kohäsionsfonds-Mitteln zur Verfügung stellen, um die Folgen der Krise zu bewältigen (Anmerkung des RadMarkts: Kohäsionsfonds wurden für EU-Staaten mit einem Bruttonationaleinkommen pro Einwohner unter 90 Prozent des EU-Durchschnitts eingerichtet. Sein Ziel ist der Ausgleich der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit und die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung). Etwa 8 Milliarden Euro an Investitionsliquidität werden 2019 aus nicht ausgegebenen Vorfinanzierungen für Programme im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, des Europäischen Sozialfonds, des Kohäsionsfonds und des Europäischen Meeres- und Fischereifonds freigesetzt. Die Maßnahme wird auch Zugang zu 29 Milliarden Euro an Strukturfonds-Mitteln in der gesamten EU für 2020 ermöglichen. Die Ausgaben für die Krisenreaktion stehen ab dem 1. Februar 2020 zur Verfügung. Die neuen Maßnahmen werden KMUs unterstützen, um ernsthafte Liquiditätsengpässe infolge der Pandemie zu mildern. Die Mitgliedstaaten werden auch mehr Flexibilität haben, um Mittel zwischen den Programmen zu transferieren, um den am stärksten Betroffenen zu helfen.
Die Europäische Investitionsbank-Gruppe (EIB) hat außerdem angekündigt, dass sie schnell bis zu 40 Milliarden Euro an Finanzierungen mobilisieren wird - darunter 10 Milliarden Euro an zusätzlichen Investitionen in KMUs und Midcaps auf eigene Rechnung und die beschleunigte Bereitstellung von weiteren 10 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt. Darüber hinaus forderte EIB die Mitgliedstaaten auf, eine signifikante und skalierbare zusätzliche Garantie für die EIB und die nationalen Förderbanken einzurichten, um sicherzustellen, dass der Zugang zu Finanzierungen für KMUs und Midcaps offenbleibt.
Die FESI begrüßt auch das Paket geldpolitischer Maßnahmen, das die Europäische Zentralbank in der vergangenen Woche ergriffen hat und das darauf abzielt, die Liquidität und die Finanzierungsbedingungen für Haushalte, Unternehmen und Banken zu unterstützen, die reibungslose Bereitstellung von Krediten für die Realwirtschaft zu fördern und eine Fragmentierung der Finanzmärkte der Eurozone zu vermeiden, um die reibungslose Übertragung der Geldpolitik zu gewährleisten.
Die FESI fordert nun alle zuständigen nationalen Behörden auf, die von den EU-Institutionen vorgeschlagenen Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen der Corona-Virus-Krise zu nutzen und umzusetzen. Alle nationalen Behörden sollten nun die automatischen Stabilisatoren wirken lassen und darüber hinaus alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 angegangen werden und zentrale Sektoren der europäischen Wirtschaft wie die europäische Sportartikelindustrie nicht gefährdet werden.«

Text: Jo Beckendorff/FESI

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