Chinas E-Bike-Importe durch EU-Strafzoll ausgebremst – aber…

20.07.2020
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Laut dem europäischen E-Leichtfahrzeug-Lobbyverband LEVA-EU schrumpften die E-Bike-Importe in die EU im letzten Jahr (und im Vergleich zum Vorjahr) mit Hilfe der am 18. Januar 2019 von der Europäischen Kommission veröffentlichten und sofort in Kraft tretenden Antidumping- und Ausgleichszölle auf E-Bikes um 30,7 Prozent auf 752.317 Einheiten – und lag somit auch unter der magischen Schallmauer von einer Millionen Einheiten. Dieser im Vergleich zum Vorjahr zweistellige Import-Rückgang sei vollumfänglich zu Lasten der mit hohem Strafzoll belegten E-Bike-Produzenten in China gegangen. Somit gab es einen großen Verlierer. Wo es Verlierer gibt, gibt es allerdings auch Gewinner. Und die sind laut LEVA-EU nicht nur wie erhofft die von den aufgebauten EU-Handelsbarrieren profitierenden Vor-Ort E-Bike-Produzenten der EU.

Laut LEVA-EU, unter deren Fittichen sich damals das sich gegen den Strafzoll aussprechende E-Bike- Importeurskollektiv versammelt hatte, habe der verhängte Strafzoll nicht das erbracht, was sich die unter dem Dach des Europäischen Fahrradindustrie-Verbandes EBMA versammelten Befürworters dieses China-Strrafzolls versprochen hatte. Warum LEVA-EU das so sieht, erfahren Sie hier.
In Zahlen: surrten 2018 an die 1,09 Millionen Pedelecs mit einer Leistung von bis 250Wh in die EU, waren es 2019 laut LEVA-EU nur noch 752.317 Einheiten (siehe Tabelle unten). Darin enthalten: E-Bike-Importe aus China. Die lagen 2018 noch bei 659.751 Einheiten – und rutschten nach Inkrafttreten oben genannter Antidumping- und Ausgleichszöllen um 83,7 Prozent auf gerade einmal 107.243 Einheiten ab.
Chinas Exportverlust von 552.508 Einheiten wurde von den Ländern der Top-Ten E-Bike Exporte 2019 in die EU teilweise aufgefangen. »Teilweise« deshalb, weil a) die Schweiz zu diesen Top-Ten gehören, aber nicht direkt von den China-Verlusten profitierte wie die anderen neun aufgeführten Länder und b) weil sie laut LEVA-EU zusammen 37,7 Prozent dieses Verlustes (= rund 208.500 E-Bikes) aufgefangen haben. Das restliche Stück vom Kuchen wird von LEVA-EU allerdings nicht genauer genannt. Man sollte also davon ausgehen, dass vor allem die marktnahe EU-Produktion von den hohen EU-Import-Hürden gegen China profitierte - allerdings eben auch nicht so wie angenommen (mehr dazu weiter unten).
Einer der größten Profiteure außerhalb Europas war sicherlich Taiwan. Nachdem Formosa im Vergleich spät auf den bereits angefahrenen E-Bike-Boom in Europa aufgesprungen ist, konnten sie mit Blick auf den attraktiven EU-Markt im letzten Jahr mit 338.570 Einheiten 80,1 Prozent mehr Richtung EU exportieren als im Vorjahr. In diesem Zusammenhang der Hinweis, dass die Taiwaner nach Einführung von Zöllen auf E-Bikes aus China schnell reagierten. Sie verlegten die Arbeit ihrer chinesischen Montagebetriebe kurzerhand in ihre Heimat. Ein Großteil der China-Produzenten, die in die EU exportieren, befindet sich in den Händen von Taiwanern.
An zweiter Stelle der Top-Ten E-Bike-Exporteure in die EU stehen die Satelliten-Produktionsstandorte der Taiwaner in Vietnam. Die lagen allerdings mit knapp 154.478 Einheiten fast auf Vorjahresniveau (plus 1,1 Prozent). LEVA-EU weist aber darauf hin, dass die Exporte aus Vietnam in die EU in diesem Jahr »aufgrund der Ratifizierung des Freihandelsabkommens mit der EU« namens EVFTA (= EU-Vietnam free trade agreement) deutlich höher ausfallen werden.
Allerdings gibt es innerhalb der oben genannten Top-Ten auch einige bemerkenswerte Neulinge. Zum Beispiel Malaysia. Dieses ostasiatische Land ist bisher nicht gerade als Fahrrad- und E-Bike-Produktionsnation aufgefallen. 2019 ist es mit knapp 10.717 E-Bike-Exporten praktisch aus dem Nichts gleich auf Platz Sieben der EU E-Bike-Import Top-Ten gelandet. Dahinter liegt Indonesien mit gerade einmal rund 3.488 Einheiten – was allerdings auch einem EU-Exportplus von 602 Prozent entspricht. Auf Platz Neun folgt Kambodscha mit 3.237 Einheiten (plus 76 Prozent), das bisher weniger vom E-Bike-Boom in Europa profitiert als zum Beispiel Nachbar Vietnam. Thailand verzeichnete 2019 hingegen ein E-Bike-Exportplus Richtung EU von 38,8 Prozent auf 15.895 Einheiten – und lag somit auf Platz Fünf.
Selbst die sich mit der EU in einer Zollunion befindende (marktnähere) Türkei konnte nicht von den ausgebremsten China-Exporten Richtung EU profitieren wie erwartet (Anmerkung des RadMarkts: was aber auch sicherlich andere innenpolitische Gründe hat). Zwar konnten sich die E-Bike-Exporte 2019 gegenüber dem Vorjahr mehr als vervierfachen, lagen mit 13.078 Einheiten aber immer noch auf einem im Vergleich niedrigen Niveau.
Wer die Top-Ten bei den erzielten Durchschnittspreisen erzielte und warum LEVA-EU trotzdem meint, dass die von der EBMA initierten und von der Europäischen Kommission verhängten hohen Strafzölle letztendlich doch nicht das erfüllen, was sie erfüllen sollten, erfahren Sie in einer der kommenden RadMarkt-Ausgaben.

Text: Jo Beckendorff, Tabelle:LEVA-EU
 

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