Lithium-Ion-Akkus: Hohe Energiedichte birgt Risiken

22.01.2013

Nach besorgniserregenden Akkubränden im Boeing 787 Dreamliner ist das Thema moderner Stromspeicher wieder ins Rampenlicht gerückt. Für Fahrradtester und Velotech.de-Geschäftsführer Ernst Brust Grund genug, mit Blick auf E-Bike-Akkus auf eine neue Generation von Testmaschinen zu verweisen, die sich derzeit in seiner Schweinfurter „Folterkammer“ in der Erprobung befinden. Ziel der Untersuchungen seien beispielsweise die Einflüsse von elektrischer Überladung, mechanischer Beanspruchung im Fahrbetrieb und Klimaeinflüsse...

Für Brust ist klar: „Moderne Stromspeicher sollen leicht und leistungsfähig sein. Dies erfordert eine hohe Energiedichte, die nur mit einigen Nachteilen erkauft werden kann.“ Zum einen könnte das Elektrodenmaterial überladen werden, zum anderen sei das Elektrolyt eine leicht brennbare organische Flüssigkeit. Außerdem würden nur hauchzarte Kunststofffolien positive und negative Elektroden trennen. Last but not least könne es bei einem Kurzschluss sogar zur Akkuexplosion kommen.
Diese Problematik sei auch bei kleineren Akkus als die im Dreamliner eingesetzten großen aber im Vergleich leichten Lithium-Ionen-Pakete bekannt. Auch Computer, Handys und Fahrräder setzen auf von hochwertigen Lithium-Ion-Akkus angetriebene E-Power.
O-Ton Brust: „Uns interessieren vor allem die Probleme mit Pedelec-Akkus. Auch hier zeigt sich, daß die Fahrradindustrie – wie bisher – besonders preiswert einkaufen, wenig testet und Risiken an den Kunden weiterreichen möchte. Pedelecs sind aber wesentlich komplexer als Fahrräder ohne additive Motorunterstützung. Es genügt
nicht, einzelne Komponenten separat zu prüfen.“
Man müsse das ganze System auf Herz und Nieren testen: „Mechanische und elektrische Betriebslasten müssen in durchmischten Zyklen aufgebracht werden, dann kann man aussagefähige Ergebnisse erzielen.“ Und das alles müsse geschehen, bevor man diese Produkte auf den Markt bringt!

Text: Jo Beckendorff

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