Portugal: Großinvestition in Fahrradproduktion für den EU-Markt

15.10.2021
ABIMOTA Logo.

Vorgestern (13. Oktober) stellte der portugiesische Fahrradindustrie-Verband ABIMOTA auf einer Pressekonferenz ein Großprojekt mit einem geplanten Gesamtinvestitions-Volumen von über 258 Millionen Euro vor, mit dem die heimische Fahrradindustrie gestärkt werden und die Rolle als Europas führende Fahrradproduktions-Nation nicht nur gehalten, sondern auch gezielt ausgebaut werden soll. Auch dabei: die Schaffung eines Technologiezentrums.

ABIMOTA nutzt die Gunst der Stunde für ein Projekt, das in anderthalb bis zwei Jahren durchgeführt werden soll und den Schwung der heimischen Fahrradindustrie, die selbst in Corona-Zeiten mit Exportraten von über 30 Prozent punktet, aufgreift. Laut jüngster Studien und Prognosen habe man »ein Jahrzehnt Zeit, weiter zu wachsen und ausländische Investitionen anzuziehen«.
Somit ist der Verband auch fest entschlossen, »allen Mitgliedern die idealen Bedingungen zu bieten, um das kontinuierliche Wachstum des Zweiradsektors zu fördern«. In diesem Zusammenhang wurde die Mobilisierungsagenda für Unternehmensinnovationen im Zweiradsektor (»Agenda Mobilizadora para a Inovação Empresarial do Setor das 2 Rodas« - kurz AM2R) vorgestellt. Sie wird von Polisport geleitet und umfasst 34 Unternehmen sowie vier akademische Einrichtungen.
Portugal Bike Value reloaded
AM2R zielt darauf ab, Portugals führende Position als größter europäischer Fahrradproduzent mit einer Jahresproduktion von 2,7 Millionen Fahrrädern und mehr als 8.000 Arbeitsplätzen zu stärken. In diesem Zusammenhang verweist ABIMOTA auch auf die wirtschaftliche Bedeutung auf nationaler und internationaler Ebene, die sich auf den wichtigen Beitrag von Portugal Bike Value stützt. Portugal Bike Value ist ein vom portugiesischen Industrieverband gelenktes Dach, dass das Potenzial des Landes als Produktionsstandort für den EU-Absatzmarkt ausschöpfen soll.
Investition für marktnahe EU-Fahrradproduktion
Laut ABIMOTA umfasst AM2R 64 Projekte des Sektors mit einem geplanten Gesamtinvestitions-Volumen von über 258 Millionen Euro. Die teilen sich wie folgt auf: Projekte der produktiven Innovation (27 Studien mit einem geplanten Wert von 173,7 Millionen Euro), Forschung und Entwicklung (24 Projekte und 72 Millionen Euro), Qualifizierung und Internationalisierung (zehn Projekte und 12,3 Millionen Euro) und Ausbildung (drei Projekte und 0,1 Millionen Euro).
Diese Beträge werden mit Hilfe eines Wiederaufbauplans (»Plano de Recuperação e Resiliência« - kurz PRR) ko-finanziert - »wobei der Prozentsatz je nach Art der Projekte gestaffelt ist und der Rest von den Unternehmen selbst getragen werden muss«.
In seiner Rolle als ABIMOTA-Vizepräsident und Leiter dieses AM2R-Projekts unterstreicht Polisport-CEO Pedro Araújo (Bild unten) dessen Bedeutung. Er hält es für grundlegend, »damit Portugal weiterhin führend im Bereich der Zweiräder bleibt und versucht, diese Position zu stärken, da es nicht nur passiv führend sein kann. Auch weil es viele andere Länder gibt, die die Voraussetzungen dafür schaffen wollen, dass der Sektor an Bedeutung gewinnt und Marktanteile erobert. Es ist ein einzigartiger und entscheidender Moment für den Sektor und für das Land, und es ist an der Zeit, dass sich die Unternehmen harmonisch entwickeln«.
Schlüsselprojekt Technologiezentrum
Eines der Projekte innerhalb AM2R ist die Einrichtung eines technologischen Schnittstellen-Zentrums (»Centro de Interface Technológico« - kurz CIT). Es soll der Nabel für die industrielle Entwicklung von Zweirädern sein und laut ABIMOTA-Generalsekretär Gil Nadais (Bild unten) »die Bedingungen für Unternehmen schaffen, um ihre Produkte in geeigneter Weise zu entwickeln, was einer der Kernpunkte dieses Projekts und eine sehr starke Investition im Rahmen der Agenda ist«.
Damit greift man wohl auch eine Idee nach Vorbild aus der international anerkannten Fahrrad-Produktionsnation Taiwan auf. Dort wurde bereits im Jahr 1992 das Taiwan Bicycle Industry R&D Center gegründet (das 2003 in »Cycling & Health Industrial R&D Center« – kurz CHC – umbenannt wurde). Auch in diesem von Regierung, Industrie, Akademie und Forschung gemeinsam gegründeten Zentrum laufen viele Fäden der nationalen Fahrradproduktion zusammen.
Ziel: marktnahe hochwertige EU Fahrradproduktions-Drehscheibe
Somit will Portugal im Bereich Forschung und Entwicklung »mit den Besten der Welt im Fahrradbereich gleichziehen«. Ziel sei die qualitativ hochwertige Herstellung von Fahrrädern und auch Komponenten: »Dafür sind moderne und wettbewerbsfähige Fabriken sowie Labors erforderlich, die die Entwicklung und Prüfung der besten Lösungen und Technologien ermöglichen«.
Durch die Verbindung mit Universitäten und anderen Wissenszentren soll CIT auch akademisches Wissen nutzen und zu fördern und so schnell wie möglich in die Industrie zu bringen. Anders ausgedrückt: es soll schnellstmöglich ein Zentrum entstehen, »das den Unternehmen als Hebel dient und ihnen hilft, ihr Wissen und ihre industriellen Kompetenzen zu vertiefen«. 
Laut Nadais ist CIT ein weiterer wichtiger Aktivposten »in einem Sektor, der sich verpflichtet hat, weiter zu investieren, um seine führende Position zu stärken, einem Sektor, der weltweit von entscheidender Bedeutung ist und als ein Bereich angesehen wird, der gestärkt werden muss. Es ist also an der Zeit, den Sektor mit offenen Augen zu betrachten«.

Text: Jo Beckendorff/ABIMOTA, Foto: ABIMOTA
 

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