Van Moof: TV-Aufdruck auf Fahrrad-Versandkarton wirkt Wunder

20.02.2019
Seit dem TV-Aufdruck auf dem Fahrrad-Karton ist die Reklamationsrate beim Versand spürbar gesunken.

In der Reihe »Ein Anruf bei...« in der Süddeutschen Zeitung vom 7. Februar 2019 erklärte Van Moof-Gründer und -Geschäftsführer Taco Carlier dem verwunderten Redakteur Hanns Vollmuth am Telefon, warum er auf die Verpackung seiner Fahrräder einen großen TV-Bildschirm druckt.

Carlier verweist auf (B2C-)Exporte in die USA: »Da haben wir gemerkt, dass unglaublich viel Fahrräder kaputt und defekt bei Kunden ankommen. Amerikanische Kurierfahrer sind nicht gerade zimperlich, was Fahrräder betrifft. Irgendwann mussten wir einsehen: Jedes vierte Rad kommt defekt beim Kunden an.«
Deshalb habe man schon fast das USA-Geschäft aufgegeben – bis Tacos Bruder und van-Moof-Mitbegründer Ties Carlier auf die pfiffige Idee kam, einfach einen Fernseher auf die Verpackung zu drucken.
Rückblickend gesehen war das die Lösung: »Unsere Kartons sind sehr groß, genauer gesagt haben sie dieselben Ausmaße wie die Verpackung eines unglaublich großen und teuren Fernsehers. Innerhalb kürzester Zeit gingen die Reklamationen in den USA um 80 Prozent zurück. Es kling hart, aber die Wahrheit ist: In den Vereinigten Staaten ist ein Fernseher viel wichtiger und wertvoller als jedes Fahrrad. Deshalb gibt man auch auf einen verpackten Fernseher viel mehr acht als auf ein verpacktes Fahrrad.«
Auch wenn die Reklamationsrate in Europa nie so hoch gewesen sei wie in den USA, spüre man seit dem Aufdruck auch dort den »Fernseher-Effekt«. O-Ton Carlier gegenüber der SZ: »Die Wahrscheinlichkeit, dass eines unserer Fahrräder heil ankommt, ist mit einem Fernseher auf der Verpackung am größten.«
Nachgehakt von SZ-Anrufer Hannes Vollmuth, ob es auch Ausnahmen gibt, verweist der van Moof-Chef auf Japan: »Japaner gehen mit fast allem sorgsam um. Egal, was man auf die Verpackung druckt.«

Text: Jo Beckendorff, Foto: van Moof

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